[Rezension] Gott bewahre von John Niven

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Bei Chaosweib und Sunny bin ich auf die Rezensionen zu diesem Hörbuch gestossen und beide haben mich sehr neugierig gemacht, so dass ich mir das Buch quasi zu meinem Geburtstag gekauft habe, denn ich hatte einen Gutschein von Thalia bekommen 🙂

 

Zum Inhalt:

 

Gott hat sich eine Woche Auszeig genommen und war angeln. Auf der Erde sind in dieser Zeit über 400 Jahre vergangen und als Gott zurück kommt und sich einen Überblick darüber verschafft, was “da unten” alles passiert ist, ist er erstmal schockiert. Sklavenhandeln, Judenverfolgung, Umweltverschmutzung, Hassprediger und moralischer Verfall, Gott sieht keine andere Möglichkeit, als seinen Sohn wieder auf die Erde zu schicken, um den Menschen das einzig wahre Gebot nahe zu bringen “Seid lieb”.

Nach einem Zeitsprung, Jesus (oder J.C., wie seine Freunde ihn nennen) ist inzwischen Anfang 30 und lebt in New York. Mit seiner Band hatte er nur mässigen Erfolg und seine besten Freunde überreden ihn, bei einer Castingshow teilzunehmen, um so an Geld zu kommen und die Möglichkeit zu haben, viele Menschen mit seiner Botschaft zu erreichen.

Auf seinem Weg durch die Castingshow wird er begleitet von einer Gruppe von Menschen, die er unterstützen, egal ob drogenabhängig, Kriegsveteran, obdachlos oder homosexuell, sie alle haben schon die unschönen Seiten des Lebens kennen gelernt und haben bei J.C. Zuflucht gefunden. Mit ihnen fährt er quer durch Amerika auf seinem Weg, den Menschen das zu übermitteln, was das einzig Wichtige ist: “Seid lieb”.

 

Meine Meinung:

Ich könnte jetzt noch 1000 mal neu ansetzen und trotzdem wäre ich am Ende mit der Rezension nicht zufrieden, daher entschuldigt bitte, wenn es ein wenig wirr ist, aber ich versuche, meine Gedanken in Worte zu fassen:

Erwartet hatte ich eine böse Satire, bei der Gott, Jesus, die Christen durch den Kakao gezogen werden, bei der ich an Blasphemie denke und bei der ich, die ich an Gott glaube und meinen Glauben auch lebe, das eine oder andere Mal schlucken muss.

Nein, so schlimm ist es eigentlich gar nicht. Klar sollte man die Beschreibung und Ausdrucksweise von Gott und Jesus mit einem Augenzwinkern sehen, aber während der ersten CD habe ich mir eigentlich nur die Lachtränen aus dem Gesicht gewischt und mich auf die folgenden unterhaltsamen Stunden mit J.C. gefreut.

Allerdings blieb es nicht bei der Unterhaltung, denn John Niven legt den Finger in jede Wunde, die er nur finden kann. Er zeigt auf, wie Obdachlose, die die Mülltonnen von Supermärkten durchforsten, von dort vertrieben werden, was ein Land mit seinen Kriegsveteranen macht oder eben nicht macht, wie Menschen, die HIV-positiv sind menschenundwürdig behandelt werden und noch vieles andere mehr.

Als das Buch seinem Ende entgegen geht, bezieht sich John Niven auch auf die Geschichten um Jesus, die wir aus der Bibel kennen. In einer Beschreibung des Buches habe ich den Begriff “moderne Passionsgeschichte” gelesen und genau das trifft es. So sitzt Jesus mit seinen engsten Freunden zusammen (“Richtig gelesen, sie sind dreizehn an der Zahl.”), wird verhaftet und verurteilt, (Achtung Spoiler!) ja, und am Ende wird er auch hingerichtet, allerdings nicht am Kreuz, sondern – wir sind ja in Amerika – mit der Giftspritze.

Es gab die Stellen im Hörbuch, an denen ich wirklich schlucken musste, aber nicht, weil ich meinen Glauben in den Dreck gezogen gefühlt habe, sondern weil John Niven der Welt einen Spiegel vor Augen hält und so musste ich auch mehr als einmal mit den Tränen kämpfen – und nein, das waren keine Lachtränen.

Ich bin tief beeindruckt von diesem Hörbuch, wer darüber nachdenkt, es sich zuzulegen, sollte aber wissen, dass ihn oder sie nicht nur Heiterkeit erwartet, sondern dass das Buch Tiefe hat und einen am Ende auch nachdenklich zurück lässt.

Meinen Respekt für diese grandiose Leistung von John Niven. Ich vergebe 5 von 5 Sternen für eines der Highlights des Lesejahres 2013. Danke für den Hörbuchtipp an Chaosweib und Sunny.

A-Z-Titel

G wie Gott bewahre – damit erfülle ich einen weiteren Punkt in der A-z Titelchallenge.

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3 thoughts on “[Rezension] Gott bewahre von John Niven

  1. Chaosweib says:

    Ich freue mich sehr, dass Dir das Hörbuch gefallen hat. Die Geschichte ist wirklich toll erzählt und auch mir liefen am Ende die Tränen übers Gesicht.

    Liebe Grüße und schönes Wochenende

  2. Sandra says:

    Hallo Daggi,

    es ist beides in einem, die witzige Seite, ich fand die Vorstellung so schön, dass Gott zum Entspannen zum Angeln geht. Aber auch die andere Seite, ganz wie du es sagst. Und wenn man sich vorstellt, dass Jesus es wirklich auf sich nehmen würde, zur Erde zurückzukehren, würde es leider vermutlich genau in dieser Richtung ablaufen. Denn die Menschheit im Ganzen würde sich kaum gemeinsam auf den Guten Weg begeben, noch ihn überhaupt als solchen erkennen. Leider!! So bleibt es an uns, durch kleine freundliche Taten oder solche Bücher auf diese Missstände aufmerksam zu machen, oder ihnen entgegen zu steuern.
    Ich freue mich auch, dass dir das Buch gefallen hat.

    Liebe Grüße
    Sandra

  3. […] Hörbuch-Highlight war jedoch etwas völlig […]

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